Geschichte der Steinstoss-Weltmeisterschaften

Welttitelkämpfe gibt es schon seit einigen Jahren, die vom Deutschen Rasenkraftsportverband ausgeschrieben werden. Gestossen wird dabei mit einem 15 kg-schweren Eisenquader. In den letzten Jahren fanden solche Wettkämpfe hauptsächlich in Ungarn statt.

Der Stein aus Rüdlingen

Seit 1992 organisiert Christian Erb (mehrfacher Schweizermeister im Diskuswerfen und Rekordhalter) das internationale Werfermeeting "Weltklasse am Rhein". Dies alles auf einem wunderschön gelegenen Sportplatz oberhalb des Rheins im kleinen, schmucken Dörfchen Rüdlingen SH.

Der jeweils am Meeting benutzte Stein stammt aus dem Flussbett des Rheins. Der Stein, der exakt 50 kg wiegt wurde vom Amerikaner Randy Barnes, seines Zeichens Olympiasieger und Weltrekordhalter im Kugelstossen, im Garten von Christian Erb entdeckt.

Seit 1996 im Einsatz

Ein Jahr später organisierte Erb den ersten Wettkampf internationaler Tragweite. Am 13. Juli 1996 wuchtete der 2.05m grosse Deutsche Carsten Kufahl den Stein auf 4.80 m. Am 28. August gleichen Jahres kam Olympionike Barnes zu Besuch und versuchte, anlässlich eines Fussballspiels auf der Winterthurer Schützenwiese, die Weite Kufahls zu übertreffen. Nach 4.90 m grub sich das 50 kg-Gewicht in den Rasen. Die Konkurrenz, angeführt vom ehemaligen Schwingerkönig Noldi Ehrensperger (3.84 m) und Kurt Schneiter (3.35 m) ersparten dem legendären Fussballer und Weitenmesser Timo Konietzka gleich lange Wege.

Erstmals über 5 Meter

1997 liess es sich die ausländische Konkurrenz nicht nehmen, ebenfalls mit dem 50 kg-Stein zu stossen. Randy Barnes "zeigte" es nochmals allen und stiess den Stein auf unglaubliche 5.31 m - ein gewaltiger Balanceakt konnte das Uebertreten vermeiden. "Neuer Weltrekord" war auf der Titelseite des Bülacher Tagblattes zu lesen. Der Litauer Koloss Saulius Kleiza erzielte mit 5.12 m einen neuen Europarekord. Der Unspunnensieger (83.5 kg) von 1995, der Schweizer Roland Stählin, stiess mit 5.01 m einen neuen Schweizerrekord und durfte sich mit dem dritten Rang begnügen. Immerhin aber noch vor Aleksander Bagatsch, we1cher zwei Wochen vorher an den Weltmeisterschaften im Kugelstossen die Goldmedaille gewann. Bagatsch erzielte seine Weite von 4.98 m erstaunlicherweise mit einem einhändigen Stoss!

I. Weltmeisterschaft 1998

Da der Erfolg bei Wettkämpfer und Zuschauern da war, wurde kurz darauf der ISTF (International Stoneput and Throwers Federation) gegründet, wobei es nahe liegend war, dass Christian Erb zum Präsidenten gewählt wurde. Seit 1998 ist auch der ENV (Eidgenössischer Nationalturnverband in die Welttitelkämpfe integriert, indem sie die Kampfrichter stellt, die bisher von der internationalen Leichthathletik verpflichtet wurden. Dass nicht jeder an dieser WM teilnehmen darf, ist selbstverständlich, daher gibt es nationale Ausscheidungen, bei dem drei Teilnehmer/Nation teilnehmen können.

Das Veranstalterland sendet dabei vier Wettkämpfer (+1 Ersatz) an den WM-Austragungsort.

Am 23. August 1998 war es soweit: Die 1. Weltmeisterschaft nach internationalem Reglement und Richtlinien konnte in Rüdlingen, inmitten des Werfer-Weltklasse-Meetings zur Austragung kommen. Der verwendete Stein wurde dem in Rüdlingen gefundenen Stein angepasst und neu aus Beton gegossen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Steinstossen wurden die Aussenmasse, sowie Gewichte des Wurfsteines schriftlich festgelegt. Nun ist es möglich, einen Vergleich mit genormten Wurfsteinen in der ganzen Welt vorzunehmen.

Wettkampfbericht

Randy Barnes erzielt mit 5.01 m die drittbeste Leistung und gewann die Bronzemedaille. Er musste zusehen, wie der Tscheche Miroslav Menc seinen Weltrekord um einen Zentimeter auf 5.32 m verbesserte. Der Lachner (SZ) Roland Stählin kämpfte in Rüdlingen wie ein Löwe. Ist auch im Sternzeichen Löwe und wurde von den zahlreichen Zuschauern mit lauten Kuhglockengeläut beim Betreiben des "Schweizer Nationalsportes" lautstark angefeuert. Er nutzte seinen Heimvorteil, wuchs über sich hinaus und drückte den Stein nach schnellem Anlauf beidarmig auf beachtlich 5.09 m. Mit dieser Leistung erzielte er einen neuen Schweizerrekord. Zusammen mit Jürgen Rueland und Ernst Mächler verbesserte er für die Schweiz den Mannschaftsrekord auf 13.96 m. Insgesamt nahmen 27 Athleten aus 10 Nationen an dieser ersten Weltmeiserschaft teil.

5.24 m und keine Medaille

An der 2. Austragung der Steinstoss-WM in Rüdlingen nützten, die lauten Zuschauerzurufe dem Schweizer Roland Stählin auch nichts. Zwar stellte er mit gestossenen 5.24 m einen neuen Schweizerrekord her, gleiche Weite wie der Deutsche Gunnar Pfingsten, aber schlechterem zweiten Versuch musste er mit dem undankbaren vierten Platz vorlieb nehmen. Kugelstosshüne Kevin Toth erzielt mit 5.35 m einen neuen USA-Rekord und löste Randy Barnes ab. Randy selber fiel mit einem Stoss auf 4.90 m ausser Rang und Traktanden. Trotzdem, die Amerikaner erzielten mit der Besetzung Toth, Barnes und Jud Logan einen neuen Nationenweltrekord mit 14.73 m.

Neuer und alter Weltmeister wurde der Tscheche Miroslav Menc mit neuer Rekordweite von 5.37 m, mit nur knappen 2 cm Vorsprung auf Kevin Toth. Menc erhielt für seinen Titel eine exakte Nachahmung der Wimbledon Tennistrophäe, welche als Wanderpreis vom ISTF ausgesetzt wurde. Insgesamt nahmen 18 Athlethen aus 8 Nationen an dieser Weltmeisterschaft teil, welche von über 1000 Zuschauern verfolgt wurde.

Unglaubliche 5.59 m

Die 3. WM wurde am 13. August 2000 in Rüdlingen ausgetragen. Da die olympischen Spiele kurz bevor standen, wollten sich viele Stösser keiner unnötigen Verletzungsgefahr aussetzten und verzichteten auf eine Teilnahme.

Miroslav Menc, der Tscheche, mit Jahrgang 1971, wuchs an diesem Tag über sich hinaus und stiess das 50 kg-Gewicht auf unglaubliche 5.59 m, dies mit seinem dritten Versuch. Seinen eigenen Weltrekord verbesserte er dabei um satte 22 cm.

Der 1.98 m Hüne Roland Stählin packte seine Chance und verpasste seinen eigenen Schweizerrekord nur um 5 cm. Mit 5.19 m verblasste seine Leistung neben dem Weltrekordstoss fast ein bisschen, trotzdem reichte es für Silber. Erstmals auf das Podest, nämlich Dritter, kam der für's Steinstossen junge Athlet Petr Stehlik aus Tschechien mit guten 5.08 m.

Hervorragend die Schweizer Mannschaftsleistung. Zusammen mit Cyrill Rickenbach (6.) und Mathe Mächler (7.) verbesserten sie die Schweizer Bestleistung auf 14.18 m.

Leider nahmen nur deren 12 Teilnehmer daran teil.

2001, Kampf um die Podestplätze

Bereits zum vierten Male nacheinander gewann der Tscheche Miroslav Menc die Goldmedaille im Steinstossen. Mit 5.29 m hielt er die ganze Gegnerschaft in Schach. Der letztes Jahr noch drittplatzierte Petr Stehlik aus Tschechien kämpft sich weiter nach vorne und will, wenn Menc zurücktritt, sofort in seine Fussstapfen treten. Der junge Tscheche wurde Zweiter mit 5.03 m. Roland Stählin wusste irgendwie kein Rezept mehr nach vorne zu kommen und war lange Zeit sogar auf vierten Rang klassiert, konnte sich aber mit dem 5. Durchgang, mit gestossenen 4.98 m die Bronzemedaille sichern. Aber der Russe Pavel Chumachenko stiess mit 4.88 m neuen Russischen Rekord, und versalzte dem Schweizer fast den Podestplatz. Einen neuen Weltrekord verzeichneten die Tschechen in der Nationenwertung mit Menc, Stehlik und Arnost Holovsky mit 14.93 m.

2002, erstmals nicht in Rüdlingen

4x Weltmeisterschaften in Rüdlingen unter der Federführung von Christian Erb. Am 17. August 2002 wird die 5. Austragung in Lachen SZ sein, dem Wohnort von Roland Stählin, der bisher äusserst erfolgreich an internationalen Wettkämpfen war und den Heimvorteil nutzen will. Vielleicht, aber nur vielleicht wird die Geschichte des Steinstossen am 17. August neu geschrieben mit einem Schweizer Weltm..... Die ganze Weltelite wird eingeladen, an den Gestaden des Zürichsees das 3-tägige Seenachtsfest zu geniessen, aber zuerst werden ab 14.00 Uhr die roten 50-kg-WM-Steine gestossen.

"Guet Stouss"

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